Was hat die NATO mit dem Ehegesetz in Afghanistan zu tun?

Seit mehreren Stunden hört man Nachrichten zum Fest des 60. Geburtstages des Nordatlantikpakts. Der Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen soll gekürt werden und ein Telefongespräch des italienischen Ministerpräsidenten im unpassenden Moment zum Weltakt hochstilisiert. Der öffentliche „Kuhhandel“ über den noch zu vergebenden Posten des Vizegeneralsekretärs und einiger, weiterer lukrativer Jobs zugunsten der widerspenstigen türkischen Regierung geht im Rauch der brennenden Häuser Strassburgs auf. Die „Autonomen“ haben es gemacht und glücklicherweise wurden die Gewaltbefürworter diesseits der Brücke mit den Friedensdemonstrant/innen jenseits der Brücke nicht zusammen geführt.

Ein System wird zum lebenden Wesen ernannt, die Gründungsakte einer militärischen Union zum Geburtsereignis umfunktioniert. Und da sich die NATO derzeit mit einem wesentlichen Problem, der angefangenen Militäraktion in Afghanistan beschäftigen muss, kommen gerade aus jenem Land die neuesten Nachrichten. Eine Schlacht der Bilder und nicht zuletzt ein Krieg der Informationen.

Das neue Ehegesetz Afghanistans wird verkündet, dass angeblich nur für die schiitische Minderheit in Kraft gesetzt wurde. Man nennt es bereits „Vergewaltigungsgesetz“.

Präsident Hamid Karzai, ein vom Westen gestützter und der NATO gesicherter afghanischer Würdenträger wird zitiert: „Es seien Übersetzungsfehler, die Frauen würden nicht darum bitten müssen, ob sie ausgehen dürfen. Karzai erklärte laut Artikel der Zeit, Artikel 130 das neue Gesetze klar sage , dass Frauen mit berechtigten Gründen sehr wohl das Haus verlassen dürfen. Über den Abschnitt, der auch verbreitet wird, dass Männer in der Ehe alle vier Tage Anspruch auf Geschlechtsverkehr hätten, wird nicht gesprochen.

Na, was jetzt? Wer erklärt uns nun den Text, wo bleibt die exakte Übersetzung?

Es kann doch weltweit nicht so schwierig sein, eine korrekte, wenn vielleicht auch nicht so gefällige Form in englischer, deutscher oder was auch immer Sprache zu erhalten.

Nichts. Kein neuer Text. Das könne bedeuten, dass es eben so ist wie es ist oder ganz anders.

Es macht mich nachdenklich, wenn Europäer Geld in, von Männer regierte Länder investieren, deren Frauen die Welt durch blaue Gitter betrachten (müssen). Lieber wäre mir ein Investment in Bildung und Kultur, in exakte Übersetzungen, in Projekte von und mit Frauen. Und doch ist es blauäugig, beinahe blaugittrig gesehen, zu meinen, dies würde eine männlich geprägte, patriarchalisch überdimensionierte Struktur verändern.

Betrachtet man den NATO Gipfel, entsteht der Eindruck, dass dies ein männlich dominiertes Bündnis darstellt. Ist das Fehlen von mindestens 40% Männern im Damenprogramm nun gleichzusetzen mit einer rechtlich sanktionierten Situation in der Frauen sich befinden könnten, wenn sie um Ausgang bitten müssten? Sicher nicht und doch haben beide Bilder ähnliche Wurzeln. Nämlich jener Grundlage, die das Machtverhältnis der Geschlechter über Jahrtausende darstellt. Eine Beziehung, dessen Existenz von Religionen genährt wird. Mit unterschiedlichen Ausprägungen in geographischen Regionen, die durch mangelnde demokratische Prinzipien verstärkt werden. Und zeitlich verschoben, je nach Entwicklungspotential, das Frauen stärkt und Frauen sich selbst zutrauen (können).

Eine Klärung der Information zu einem derartigen Gesetz müsste von demokratisch gesinnten Medien sofort überprüft werden können. Wir werden hingegen mit sich ständig wiederholenden Nachrichten zugeschüttet, bis wir das Interesse an den Frauen Afghanistans und der NATO verlieren, sofern es jemals vorhanden war.