Heimatliebe…

„Heimatliebe, statt Gauner und Diebe“ meint das BZÖ und verkündet dies auf Plakatständern.
„Heimatland in Heimathand“ und „Heimatland braucht Mittelstand.“

„Viel Heimat für wenig Land!“ oder „Spruch mit braunem Geruch“ fällt mir dabei ein.
Eine interessante Kombination ist die der Liebe und des Betrugs. Nirgends wird soviel gelogen wie in der Liebe. Und da wären die Heimatliebenden eine Ausnahme, mitnichten. Gegaunert wird auch dort, wo die Heimat geliebt wird.

Und ob der Mittelstand von Heimathand gelenkt wird, ist in Zeiten der globalen Wirtschaft, des grenzenlosen Warenverkehrs, der GesmbHs und KGs, der italienischen Restaurants und der türkischen Schneiderei weder überprüfbar noch wirklich zielführend. Ob der Mittelstand in den nächsten Jahren die Krisen überleben und produzieren bzw. handeln kann, ist die weitaus interessantere Frage.

Wenn ich mir eine Wohnung miete oder kaufe, kann ich davon ausgehen, einen bestimmten Preis zu zahlen, entsprechende Leistungen dafür zu erhalten oder betrogen zu werden. Ob das Grundstück auf dem sich das Haus befindet, von Heimathand besessen wird, überlegen sich, glaube ich, wenige. Wohl eher die Lage, die Grösse und den Preis.

Diese Heimathand, was ist das, wem gehört diese Hand?

Wichtig wäre, dass Eigentum im Grundbuch verankert ist und Mieten einen guten Mietvertrag zur Grundlage haben. Der Handschlag, ja, der zählt auch noch, egal ob Heimathand oder nicht, hauptsache verlässlich.

Auf diese Weise kann eine Partei wohl nur jene Gruppen der Bevölkerung ansprechen, die sich ständig betrogen und begaunert fühlen und die dafür einen Sündenbock suchen.

In Kärnten, interessanterweise sehen die Wahlplakate des BZÖ anders aus. Hier nehmen drei braungekleidete Männer Haltung an, „Mannaleit, dös is a Freid“. Männer, die Treue versprechen, zum Vater des Lands, respektive Vaterland.

Vater`s Land in Vater`s Söhne Hand.

Wahl Kärnten

Heimat

Heimat ist der Ort, an dem ich Bedenkliches von Unbedenklichem unterscheiden kann.

Und doch ist Heimat nicht an den Ort gebunden. Das mussten die Frauen vor nicht allzu langer Zeit und in manchen Fällen noch heute erfahren. Sie haben geheiratet, ihre Heimat verlassen und waren durch die Rolle der Frau gezwungen, eine neue Heimat für sich, ihren Mann und die Kinder zu schaffen. Einerseits durch Anpassung an die vorherrschenden Regeln in der neuen Umgebung, andererseits durch Identifikation, welche im Laufe der Jahre mit erworbenen Gegenständen, der Umgebung, Freunden und Ritualen entstand.

In zahlreichen Fällen entstand das Heimatgefühl durch die Geborgenheit, die der Mann vermittelte, wodurch die Frau neben der materiellen in emotionale Abhängigkeit geriet. Bei einer Scheidung musste wiederum die Frau das Haus verlassen und sich eine neue Heimat suchen.
Eine doppelt schwierige Aufgabe, weil das Umfeld die Entscheidung missbilligte und den Frauen, das neue Heimatgefühl verwehrte. Sie konnte in die Anonymität gehen oder zurück nach Hause, zu den Eltern.

„Emanzipation“ rückwärts, zurück in die Hand des Vaters, aus der sie sich befreit hatte um die nächste Hand zu nehmen, aus der sie sich wieder befreien musste. „Darf ich um die Hand ihrer Tochter bitten?“ lautet der Werbespruch einer Bank und knüpft an traditionelle Bilder der Übergabe der Hand durch den Vater an.

In meinem Lebensumfeld hat sich vieles verändert, die Frauen, die Regeln und auch die Männer. Und doch ist die Existenz solcher Bilder noch vorhanden. Mit dem Unterschied, dass der Hand, bestenfalls eine Ausbildung, ein Bankkonto und ein Arbeitsplatz hinzugefügt wird. Dieses Angebot beinhaltet auch Forderungen und die neue Heimat ist in der Folge das Ergebnis einer Vereinbarung. Die Beziehung zwischen Mensch und Raum muss neu geschaffen werden, eine Heimat, die sich durch Rituale und Gemeinsamkeiten entwickelt wird, mit dem Unterschied, dass nun beide lernen.

Vielfach wird der Heimat, insbesondere dem Heimatland ein feststehendes geographisches Gebiet zugeordnet. Das ist Unsinn, denn Heimatland ist diese Welt im Kopf der Menschen, die scheinbar Vertrauen, Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Bei jenen Menschen, die den Ort wechseln ist es häufig gerade jene Umgebung, in der man sich nicht befindet.

Sehr oft ist Heimat eine Suche nach Ähnlichkeiten mit der Kindheit, nach Gerüchen, Geschmack und Temperaturen. Es ist jene Zeit an jenem Ort, wo man nichts erklären musste und alles war, wie es ist oder ist wie es war.